Samstag, 5. Januar 2013

Schreibwettbewerb

Momentan veranstalten die Beststellerautorin Sophie Kinsella und der Goldmannverlag ein Schreibwettbewerb, bei dem der Hauptgewinn ein Wochenendtrip nach London und die Veröffentlichung der Gewinnergeschichte in der Jolie ist! Es geht um eine Kurzgeschichte zu dem Titel "Ein Kuss der (m)ein Leben verändert hat". Da ich es liebe zu schreiben, habe ich beschlossen mitzumachen. Meine Geschichte ist etwas unkonventionell, es geht um meine große Liebe, das Surfen :). Ich möchte Euch meine Geschichte nicht vorenthalten, aber vorsichtig, sie ist ziieeemlich lang.. ;) Vielleicht habt Ihr ja trotzdem Lust mal drüberzulesen:




Immer wenn ich schlechte Laune habe gehe ich an meinen Kleiderschrank und rieche an meinem Neopren-Anzug, der dort etwas verloren neben meinen vielen bunten Kleidern hängt und immer noch nach Salzwasser, Gummi und Freiheit riecht. Und erinnere mich an meine Zeit in Australien. Mit am schönsten war es dort in einem kleinen Paradies, einem Surfcamp versteckt in einem Nationalpark an der Ostküste.

Abschied zu nehmen von Australien war schwer und kaum war ich 2 Tage wieder zurück im Bürojob in Deutschland, wusste ich, dass ich mich in den 3 Monaten dort einfach verändert hatte. Träume sind dazu da, um sie zu leben. Das hatte mir die australischen Surfing Angels beigebracht. Mit Tränen in den Augen saß ich an meinem Schreibtisch und sah in den tristen, deutschen Himmel und dachte an unsere erste Begegnung.

Es war spät in der Nacht als ich mit dem großen Reisebus, der sich durch die engen Strassen des Nationalparts geschlängelt hatte, endlich an einem dunklen Camp ankam, wo uns ein etwas verstreuter Surflehrer empfing und unsere Unterkunft zeigte. Wir wurden zu zehnt in einer einfachen Hütte mit Stockbetten untergebracht. Ich kannte niemand von meinen Mitreisenden, im Bus hatten fast alle geschlafen und im Hintergrund plätscherte true romance von Quentin Tarantino in dem kleinen TV vor sich hin. Doch soweit ich das sehen konnte, waren mir alle Mitbewohner, die aus allen möglichen Ländern der Welt kamen, sympathisch.

Am nächsten Tag wachte ich gegen 5 Uhr morgens auf und da mein Bett direkt am Fenster stand, sah ich einen wunderschönen Sonnenaufgang mit Strandblick. Trotz der einfachen Unterkunft, so was ist doch mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Ich hatte mich sofort in das schöne Surfcamp verliebt.

Nach dem Frühstück hatten wir unsere erste Surfstunde. Der Surflehrer ist ja ein komischer Typ, dachte ich. Er hatte eine wilde von der Sonne blondierte, verwuschelte Mähne und war ziemlich schräg drauf. Die meiste Zeit des Tages paddelte ich unbeholfen im Wasser rum und hatte mehrmals das Gefühl kurz vorm Ertrinken zu sein und war ziemlich frustriert.

Abends fand eine große Halloween Party in dem Camp statt und wir alle hatten sehr viel Spaß. Plötzlich saß unser Surflehrer neben mir, den ich bis dahin nicht großartig beachtet hatte und wir unterhielten uns. Ich sagte ihm, dass er ja bestimmt ein schönes Leben hätte, hier am Strand mit so vielen hübschen Mädels jeden Tag und dass er ja bestimmt nichts anbrennen lassen würde. Er lächelte nur unschuldig und sagte aus voller Überzeugung doch, er sei „an angel“. Ich musste lachen, denn mit seiner wilden blonden Mähne sah er wirklich aus wie ein Engel. Ja, antwortete ich, "a surfing angel". Da nahm er meine Hand und ging mit mir zum menschenleeren Strand. Dort küsste er mich unbeholfen unter dem klaren Sternenhimmel. Er roch nach Sunblocker und Salzwasser. Es war ein perfekter Moment, wie aus dem Bilderbuch.

Am nächsten Morgen hatte ich eine Privatstunde Surfen gebucht, ich war sehr ehrgeizig und wollte mich so schnell nicht von den Wellen geschlagen geben. Als ich an der Surfstation wartete, kam plötzlich ER, grinste mich an und warf mir einen Neoprenanzug zu. Ich errötete, hätte ich gewusst, dass er mir die Privatstunde gibt, hätte ich sie bestimmt nicht gebucht. Mit der Situation, ihn jetzt am Tag so wiederzusehen war ich etwas überfordert und schämte mich irgendwie.

Die Stunde war auch wirklich sehr hart. Meterhohe Wellen peitschten gegen meinen Oberkörper und warfen mich immer wieder um. Er fragte mich was los sei, erkannte dass ich Angst hatte und ging mit mir raus an den Strand, damit ich mich ausruhen konnte. Wir lagen nebeneinander auf unseren Boards und ich war ganz außer Atem und wusste nicht recht ob das vor Anstrengung oder wegen seiner Anwesenheit war. Er sagte, es gäbe keinen Grund Angst zu haben, man müsste sich auf dem Board nur umdrehen der Welle entgegenblicken und sagen: „You are not gonna get me!“ (Du kriegst mich nicht!). Auch wenn mich danach noch unzählige Wellen erwischten, Angst hatte ich keine mehr.

Die nächsten Tage bekam ich ihn kaum noch zu Gesicht, wir hatten andere Surflehrer und meine ganze Aufmerksamkeit und Kraft war auf das Surfen gerichtet. So hart es auch ist und wie sehr ich es manchmal gehasst, geflucht und geheult habe, wenn man dann die perfekte Welle erwischt ist es das tollste Gefühl der Welt und alle Muhe wert, ich war einfach nur happy.

Ich musste ihn wieder sehen, denn am nächsten Tag würde ich abreisen. Da er erzählt hatte, dass er sich eigentlich nicht mit Surfschülerinnen treffen darf, da er dann Ärger bekommen würde, steckte ich ihm nach der Surfstunde heimlich einen Zettel zu. Ich schämte mich etwas dafür, denn ich fühlte mich fast wie in Dirty Dancing und seufzte, denn ich hatte ja direkt alle Klischees erfüllt und mich in den Surflehrer verknallt!

Abends trafen wir uns heimlich am Rande des Camps. Niemand durfte uns sehen und so versteckten wir uns in einer der Hütten, in dem ein Freund von ihm wohnte. Wir unterhielten uns und er erzählte, dass er eigentlich Engländer ist und genau wie ich als Backpacker in das Surfcamp kam. Doch es hat ihm so gut gefallen, dass er einfach geblieben ist und die Ausbildung zum Surflehrer gemacht hat. Sagte auch, dass das oft ein harter Job wäre, weil man die Verantwortung für einige Menschenleben trägt, aber dass man nun mal seine Träume leben müsste. Das stand auch über dem riesigen Wellen-Tattoo auf seinem Oberarm, das mich sehr beeindruckt hatte. Er konnte nicht lange bleiben, da er am nächsten Morgen um 7 Uhr Surfstunde geben musste. Zum Abschied küssten wir uns ohne zu wissen ob wir uns je wieder sehen würden.

Es war richtig schlimm für mich das Camp am nächsten Morgen zu verlassen und es flossen viele Tränen, ich hatte so eine tolle Zeit dort und surfen zu lernen war echt eine besondere Erfahrung für mich während der Reise. Ich hatte irgendwie das Gefühl, das Paradies zu verlassen, da es mir dort immer so vorgekommen war..

Mein Blick richtete sich von grauen Himmel zuhause in Deutschland wieder auf den Schreibtisch, ich strich über mein eigenes großes Tattoo, das ich mir kurz nach der Zeit im Surfcamp, im Sydney hatte stechen lassen. Es war anders als das von ihm, aber mit einer ganz ähnlichen Bedeutung. Living the dream, murmelte ich vor mich hin und begann zu lächeln, denn ich wusste, dass mich nichts aufhalten konnte, genau dies zu tun.

Somit kündigte ich meinen Job, ging erst nach Portugal um dort zu jobben und anschließend für ein ganzes Jahr nach Spanien. Wer weiß ob sich mein Leben ohne diese Begegnung auf diese Weise verändert hätte, aber ich war froh, dass ich den Mut hatte meine Flügel auszubreiten und in die weite Welt hinauszufliegen. Und manchmal denke ich noch an den perfekten Moment mit dem blonden Engel am Strand und frage mich ob er wohl immer noch mit seinen zerzausten Haaren das Meer dort unsicher macht..

Kommentare:

  1. ich finde das wirklich toll! Portugal war ich auch schon :) so schön dort.
    Alles Liebe dir.
    Maren Anita

    FASHION-MEETS-ART by Maren Anita

    AntwortenLöschen
  2. Sehr schöne Geschichte :D Wünsche dir viel Glück beim Wettbewerb!

    Habe mir auch nur den Stereo Rose und den rosanen Lippenstift mitgenommen - sitze gerade sabbernd vor deinem MSF Bild :P Tolle Sammlung hast du da!!

    Liebe Grüße

    Sara




    Sara Bow | new post | follow me

    AntwortenLöschen