Freitag, 9. November 2012

Backpacking in Thailand, 2008

Einige von Euch hatten nach meinem Backpacking-Trip nach Thailand gefragt und jetzt möchte ich mehr darüber erzählen in diesem Post. Anfang 2008 reiste ich mit 4 Freunden durchs exotische Thailand mit dem Rucksack, das heißt ich musste auf jeglichen Komfort verzichten und nur mit sehr wenig Gepäck reisen, für mich schon eine kleine Herausforderung! Los ging die Reise in Bangkok, für mich eine der faszinierenden und aufregendsten Städte der Welt. Dort in die fremde Kulter einzutauchen und vor allem die vielen Tempel dort haben mich sehr fasziniert, der Prunk (sehr viel Gold) und die einzigartige Architektur dieser können auf den Fotos nur annährend rübergebracht werden. Wir aßen fast nur an Garküchen auf der Straße oder in einheimischen Restaurants, wovon ich anfangs noch sehr begeistert von war, allerdings aß ich in Bangkok erst nur vegan, später wurde ich mutiger und habe das bitter bereut denn prompt wurde ich ständig krank, da ich das Essen nicht vertragen habe und kam deshalb sehr abgemagert wieder nach Hause. Shoppen in Thailand war eher schwierig, auch wenn es in Bangkok viele tolle Nachtmärkte und Malls gibt, aber die Thais sind einfach sehr schmal und klein, weswegen selbst mir, obwohl ich selbst eher zierlich bin, kaum Sachen passten.
Auch auf die Reise machten wir uns mit den einfachsten Transportmitteln, wie den billigsten Bussen und Fähren, so dass wir oft die einzigen Ausländer unter den Thais waren, was eine interessante Erfahrung war. Von Bangkok ging es weiter nach Prachuap Khiri Khan, an der Nord-Ost-Küste Thailands gelegen. In dieser Provinz gibt es fast keine Touristen, wir kamen also dort viel mit Einheimischen in Kontakt, schlenderten über den exotischen Nachtmarkt und fuhren mit Mofas zu einem "Militärstrand", zu dem man nur kam wenn man seinen Reisepass vorzeigte, dafür dann aber den ganzen wunderschönen Strand für sich alleine hatte. In dem Ort gab es auch einen kleinen Berg, auf dem viele wilde Affen lebten, den man besteigen konnte und die Aussicht auf das Meer und die für Thailand sehr typischen Felsen im Wasser genießen konnte. Beim Runtersteigen wurden wir dann fast von einem der Affen angefallen, er fand die Tasche von meiner Freundin wohl sehr schick ;). In diesem Ort kamen wir aber auch zum ersten Mal mit den Schattenseiten von Thailand in Berührung, die Menschen dort sind sehr arm und mir fällt immer sehr schwer über sowas hinwegzusehen und einen auf happy Tourist zu machen. Klar, man kann auch glücklich sein wenn man arm ist, aber in Thailand ist die bittere Realität, dass für die meisten junge Leute Prostitution oder die Heirat mit einem reichen Ausländer die einzige Perspektive ist, das finde ich sehr traurig und das stürzte mich schon ein bisschen in einen Kulturschock, da sowas vom deutschen Standpunkt aus gesehen, ja schon ziemlich unvorstellbar ist, hier wird man in jedem Fall vom Staat unterstützt und muss sich über sowas keine Gedanken machen.
Nächster Stopp war die Insel Koh Tao an der Ostküste. Die Fahrt mit dem Katamaran dort hin, entpuppte sich als Albtraum für mich, ich war schrecklich seekrank und saß die ganze Zeit völlig bleich, mich an meinen Sitz klammernd, im Untergeschoss des Katamarans und schwor mir, demnächst lieber 10 Stunden mit der Fähre zu brauchen, als nochmal in so ein Höllenteil zu steigen. Natürlich war das nicht möglich, aber tapfer und mit vielen Reisegoldtabletten stand ich alle weiteren Katamaranfahrten auf dieser Reise durch. Auf Koh Tao blieben wir in einem winzigen Holzbungalowpark an der Tanote Bay im Osten der Insel, dort war im Grunde nichts außer Dschungel, Felsen und einer Tauchschule, Calypso Diving. Wir blieben ziemlich lange dort, da die Jungs dort tauchen gingen, bzw. den Tauschein machten. Ich traute mich nicht zu tauchen, da ich Probleme mit den Ohren und dem Druckausgleich habe, mittlerweile bereue ich es aber es nicht zumindest versucht zu haben, da es mir als Wasserratte bestimmt gefallen hätte, aber ich wollte meine Gesundheit halt nicht aufs Spiel setzen. Außer Tauchen konnte man dort nicht viel machen, da es dort auch keine Verkehrsanbindung gab und nur ein einziges Restaurant. Es war schön ein paar Tage dort zu relaxen, aber dann wurde es mir zu langweilig dort, Orte die so fernab von allem liegen, sind nichts für mich, habe ich festgestellt. Um zu dem einzigen Restaurant zu gelangen, musste man abends über die Felsen im Bild klettern, dort gab es kein bisschen Beleuchtung, weswegen wir uns auf dem Rückweg regelmäßig auf die Schnauze legten und einige Schürfwunden davontrugen!
Die nächste Reisestation war Koh Phangan, nur eine "kurze" Katamaranfahrt *stöhn* entfernt. Dort waren wir wieder an einem sehr einsam gelegenen Örtchen im Mitten von nichts. Zum Glück unternahmen wir diesmal aber mehr. Die Infrastruktur auf der Insel ist aber eine richtige Katastrophe, selbst mit dem Jeep braucht man für die kürzesten Entfernungen ewig, da es quasi nur schlimme Schotterwege gibt. Und wir mit unseren Rucksäcken oft einfach auf der offenen Rückfläche eines Jeeps *holterdiepolter*. Highlight dort war die weltbekannte Fullmoon Party, einer der besten Parties meines Lebens. Man bemalt sich mit bunter Bodypaintfarbe, feiert und tanzt mit Menschen aus aller Welt im Sand und im Meer und trinkt zuckersüße Getränke aus kleinen pinken Plastikeimern. Meine Erwartungen wurden übertroffen! Auf dem Rückweg fing es dann aber wie aus Kübeln an zu regnen und wir mal wieder auf der offenen Rückfläche eines Jeeps - eine Stunde Fahrt zu unserem Bungalowpark, natürlich kamen wir klitschnass an, aber die Stimmung war so gut, dass uns das nichts ausmachte. Am nächsten Tag war die ganze Insel von dem Sturm und Unwetter etwas verwüstet, Sturmmasten waren umgekippt etc. und da wir an dem Tag abreisen wollten und unser Jeep nicht weiterkam, da ein umgekippter Strommast im Weg lag, mussten wir,zu Fuß, samt unseren Rucksäcken über diesen umgekippten Strommast drüberklettern, mamma mia, bin froh, dass ich das ohne davontragende Schäden geschafft habe, das war definitiv das Krasseste, was ich in meinen ganzen Leben erlebt habe!
Die Strommastverwüstung also überstanden, ging es weiter zur Insel Koh Samui. Dort hatten wir nicht besonders gutes Wetter mit viel Regen und einen schrecklichen übelriechenden, kakerlakenbevölkerten Holzbungalow, den wir sofort nach der ersten Nacht wechselten. Koh Samui ist sehr touristisch und hat mich nicht ganz überzeugt, ich habe mich dort nicht wirklich wie in Thailand gefühlt, hätte auch eine spanische Insel sein können. Wir guckten uns die Insel mit dem Roller an, was ganz lustig war. Dabei besuchten wir auch eine Schlangenshow, bei dem sich der Schlangenbändiger auch Skorpione ins Gesicht legte und in den Mund nahm (auf so eine Idee können auch nur Asiaten kommen ;) ) und man sich selbst eine Phyton über die Schulter legen konnte, das war schon sehr aufregend, auch wenn mir das arme Tier etwas Leid tat.
Nach dem ganzen Inselhopping ging es zurück aufs Festland in den Khao Sok Nationalpark, dort wurde auch die Szene im Film "The Beach" gedreht, in dem Leo & co. den Wasserfall hinunterspringen um zum geheimen beach zu gelangen. Dort war ich leider auch etwas kränkelnd, das feucht-tropische Klima dort bekam mir nicht besonders gut und ich hatte sogar etwas Fieber. Hier mussten wir auf jeglichen Komfort verzichten und hatten in unserer Unterkunft nichtmal eine Toilettenspülung und ohne das Moskitonetz wären wir von diversem Krabbelviech vermutlich halb angeknabbert worden. Nur 1 Jahr zuvor verunglückten/ertranken dort 8 Menschen in der Höhle des Nationalparks, wegen plötzlich starkem Monsunregen. Ich wollte deswegen auf keinen Fall in die Höhle, da ich das schon sehr erschütternd fand. 2 von uns machten die Tour dort hin, die anderen 2 Jungs machten eine Survival-Tour in den Dschungel um dort zu lernen wie man dort ohne viel Aufwand Kaffee kocht, ähm, nein Danke, da kam doch der Stadtmensch in mir durch, ich möchte es nie anwenden müssen, in einer solchen Situation Kaffee kochen zu müssen :)! Ich machte also alleine eine Elefanten-Trekking Tour durch den Dschungel, was wirklich sehr schön und aufregend war. Anschließend fand ich im Mini-Ort des Nationalparks sogar einen improvisiertes Friseur/Massage/Nagelstudio in einem winzigen Holzbungalow und ließ mich dort erstmal ein bisschen auffrischen, so schön Backpacking auch ist, manchmal braucht man dann doch etwas Komfort :)
Der nächste Halt war die Insel Koh Lanta an der Westküste, dort waren wir in einem hübschen Bungalow Resort, jedoch konnte man leider nicht im Meer direkt vor der Haustür schwimmen, da dort flache Korallenriffe waren. Und mittlerweile war ich so am kränkeln, dass ich kaum noch was aß, sogar von meiner Suppe die Hälfte stehenließ. Deshalb habe ich von der Insel nicht viel gesehen und kann sie auch nicht wirklich beurteilen.
Zum Glück machten wir von dort aus einen Tagesausflug nach Koh Pipi, die Insel, auf der auch der Film The Beach gedreht wurde. Natürlich fieberte ich dieser Insel sehr entgegen, da The Beach mein Lieblingsfilm ist, bis zu diesem Zeitpunkt war ich von den Inseln Thailands auch ein bisschen enttäuscht, hatte mir das ganze Feeling dort, irgendwie mehr wie in dem Film vorgestellt, Abenteuerlust, Ausseiger, die Suche nach dem Paradies.. Aber bisher war es eigentlich gar nicht so, die Strände oft dreckig und in keinem tollen Zustand und Aussteiger hatten wir keinen einzigen getroffen. Aber vielleicht bin ich auch einfach mit einer sehr naiven Erwartungshaltung an diese Reise rangegangen, das Thailand das ich mir vorgestellt habe, gab es wahrscheinlich vor 20 Jahren mal. Von Koh Pipi wurde ich jedenfalls nicht enttäuscht, dort war es genauso wie ich es mir vorgestellt habe, kristallklares Wasser, zuckerweiße Strände, atemberaubende Felsen im Wasser. Natürlich auch sehr touristisch überlaufen, aber die Insel ist einfach so schön, dass mich selbst dass nicht störte. Außerdem gibt es dort so viele Buchten, dass sich selbst das ganz gut verteilte. Wir machten eine Bootstour mit einem winzigen thailändischen Bötchen und gingen mehrmals schnorcheln, was auch traumhaft schön war und man viele Fische in allen Farben sah. Ich wäre gerne länger auf dieser Insel geblieben, da es dort wirklich traumhaft schön war, aber wir musste ja leider abends zurück.
Letzer Halt der Reise war Phuket, zurück auf dem Festland. Dort gibt es auch sehr schöne Strände, die aber leider so überfüllt sind, dass man dort kaum Platz zum liegen findet. Phuket ist einer der touristischsten Orte und dort spielt Sextourismus eine große Rolle, was ich sehr erschreckend fand. Dort gibt es quasi keine normalen Einheimischen, fast nur Prostituierte, Ladyboys etc. und jeder alter, fetter ausländische Mann hat dort eine wunderschöne, junge Thailänderin an der Hand. Ich konnte mir das kaum ansehen und fande es einfach nur abstoßend. Natürlich haben die Frauen dort sonst nicht viel Perspektiven, aber langsam kam mir auch echt der Hass hoch, sogar unsere Jungs wurden die ganze Zeit angegrabscht, angepackt und angesprochen, obwohl wir 2 Mädels ja die ganze Zeit dabei waren. Als europäische Frau wurde man dort generell überhaupt nicht beachtet, klar, bei einer Frau is ja auch nichts zu holen. Hinzukam dass wir in einem kleinen Hostel dort wohnten, deren Zimmer wie Gefängniszellen waren, sogar mit Gittern an den Fenstern mit Blick auf die Hauswand des gegenüberliegendes Hauses und mit Kakerlaken im Flur. Schön war, als wir uns die Show im Phuket Phanta Sea anguckten, ein bisschen wie ein Freizeitpark mit viel farbenfrohem Klimbim und einer Show über die Entstehung Thailands (glaube ich, es war etwas unübersichtlich ;) ), habe mich schon etwas erschrocken als plötzlich lebende Ziegen über die Bühne rannten ;). Die Reise nach Thailand war eine tolle und interessante Erfahrung, vor allem da man es mit dem Rucksack noch viel intensiver erlebt als wenn man nur in Luxushotels absteigt und wir haben ja auch immer versucht die einheimische Sicht dort kennenzulernen. Aber viele Dinge dort in der Kultur haben mich auch sehr erschreckt und nachdenklich gemacht, Thailänder lächeln zwar immer,aber man weiß nie was sie wirlich denken, vieles dort ist mehr Schein als Sein. Und welche Rolle spielt Armut im Leben, wenn man bereit ist für materielle Dinge alles zu geben.. Für uns in unserer Welt wahrscheinlich unvorstellbar. Als ich nach Hause gekommen bin, wusste ich alltägliche Sachen wie fließendes Wasser wieder ganz anders zu schätzen und konnte es kaum fassen, wieder vor einer richtigen Toilettenspülung zu stehen. Schon allein das war eine gute Erfahrung, wieder einfach Dinge schätzen zu wissen und das Leben hier wieder aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Huch, ist ziemlich viel geworden der ganze Bericht, aber ich hoffe er gefällt Euch trotzdem :)





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